10 Gute Gründe für Radreisen

Eines meiner „Markenzeichen“ ist inzwischen das Reisen mit meinem Fahrrad. Nachdem alles noch sehr harmlos mit Wochenendausflügen per Rad begonnen hatte, bin ich mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo ich auch schon meine ersten Erfahrungen mit einem „Fahrrad im Flugzeug“ oder einmal kreuz und quer mit dem Rad allein durch verschiedene Länder hinter mir habe. Natürlich gibt es ein paar gute Gründe, weshalb ich für mich das Radreisen überhaupt als Option entdeckt habe. Ebenso wie es viele wesentliche Vorteile gibt, die das Radreisen für mich attraktiver machen als das für manch andere Art zu Reisen der Fall ist. Im Folgenden findet ihr meine persönliche Hitliste mit den zehn besten Gründen, warum ich jedem das Reisen mit Fahrrad nur empfehlen kann und was an dieser Art zu reisen eigentlich so toll ist:

1. Guter Grund: Du bist unabhängig und genießt eine große persönliche Freiheit

Als ich 2012 mit einem Interrail-Ticket drei Wochen durch Schweden und Norwegen gereist bin, gab es eine Sache, die mich doch sehr gestört hat: die massive Einschränkung meiner persönlichen Freiheit durch nur dürftig befahrene Streckenabschnitte (bspw. nur zwei Verbindungen am Tag) ebenso wie abgelegene Highlights, die mit gar keinen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar waren. Wenn man nicht an spärliche Fahrpläne, spontane Mitfahrgelegenheiten oder sonstiges gebunden sein möchte, man aber trotzdem über weite Strecken von A nach B kommen oder überhaupt an abgelegene Orte gelangen will, die man gerne einmal sehen möchte, bekommt man mit seinem eigenen fahrbaren Untersatz eine sehr große persönliche Freiheit geschenkt. Man kann hin fahren, an welches Ziel auch immer man gerne möchte; auf dem Weg, den man selbst am liebsten erleben und sehen will; zu flexiblen Zeiten, die man selbst bestimmt; und das alles ohne von anderen Menschen in welcher Art auch immer abhängig zu sein. Diese Unabhängigkeit, persönliche Freiheit und Flexibilität schätze ich am Radreisen mit am meisten.

Zwei Ausblicke in Slowenien, die man weder mit öffentlichen Verkehrsmitteln noch mit dem Auto erleben kann.

2. Guter Grund: Du erlebst alles viel intensiver

Okay, jetzt werden einige sagen: “Ja, aber mit dem eigenen Auto habe ich diese Flexibilität und die persönliche Freiheit ja auch.” Stimmt. Aber: es ist nun mal kein Vergleich mit einem Fahrrad von A nach B zu fahren oder mit einem Auto. In einem Auto ist man immer ein Stück weit von der Landschaft, die einen umgibt, abgeschnitten. Auch fliegt die Welt in einer Geschwindigkeit an einem vorbei, die es nur schwer zulässt, diese während der Fahrt wirklich zu “erleben”. Ganz anders ist es hier mit einem Fahrrad. Da ist keine Blechwand, die uns von der Welt um uns herum abschirmt. Wir sind mitten drin in der Landschaft, durch die wir fahren. Und wir rasen auch nicht durch sie hindurch. Mit einem viel langsameren Tempo sieht man einfach mehr. Man kann die kleinsten Dinge wahrnehmen. Man sieht Details, die man aus einem Auto heraus gar nicht sehen kann. Man erlebt die Welt, die Landschaften, die Natur, aber auch die Kultur und das ganze Leben, durch das man gerade reist, viel intensiver.

Am Straßenrand lassen sich die kleinsten Dinge finden; während eine Radfahrt durch die malerischen Landschaften Andalusiens, Spanien, hautnahe Eindrücke vermittelt.

3. Guter Grund: Du hast einen persönlichen Packesel

“Dann geh’ doch zu Fuß.” Berechtigtes Gegenargument zu den ersten beiden Gründen. Aber: Wenn man nun mehrere Wochen unterwegs ist, mit Zelt & Co., am besten noch Spezial-Ausrüstung für verschiedene Aktivitäten bei sich hat (Marathonlauf, Mountainbiken, Bergsteigen, Angeln usw.), die Kameraausrüstung oder ähnliches Equipment – und dann auch noch komplett alleine unterwegs ist, d.h. ohne die Möglichkeit sich auch nur ein Gramm Gewicht mit jemand anderem zu teilen – ja, dann ist so ein persönlicher Packesel aka Fahrrad schon außerordentlich praktisch. Den mir persönlich bekannten, aktuellen Rekord an transportiertem Equipment und damit Gewicht auf einem Reiserad hält derzeit übrigens ein Belgier, dem ich in Slowenien begegnet bin. Er ist auf einer einjährigen Radreise durch den Balkan unterwegs mit ca. 40kg Ausrüstung exklusive (!) Essen und Trinken. Das kommt dann noch on top an Gewicht dazu. 😀

Dieser belgische Zeitgenosse ist natürlich eher die Ausnahme. Aber gerade auch für Menschen, die mit Rückenproblemen zu kämpfen haben und damit gar nicht in der Lage sind, über längere Zeit ein auch nur “normal” hohes Rucksackgewicht zu tragen, empfiehlt sich Radreisen sehr. Da das gesamte Gewicht vom Rad getragen wird, muss man nur darauf achten, dass man eine gute ergonomisch korrekte Sitzposition hat und dem Vergnügen durch die Natur steht prinzipiell nichts mehr im Wege.

Natürlich gibt es auch immer irgendwie Mittel und Wege auch zu Fuß sehr viel Ausrüstung und damit Gewicht mitzunehmen – bspw. durch kreative, selbstentwickelte “Trollies”, von denen selbst MacGyver beeindruckt wäre. Aber einen kleinen Nachteil hat das zu Fuß unterwegs sein dennoch. Das ist der vierte Grund, warum Radreisen so vorteilhaft ist.

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Drei Wochen allein auf Reisen und dabei ein breites Spektrum an Wetterverhältnissen und verschiedenen Aktivitäten abdecken: Campingausrüstung und Kleidung für +20° C, zusätzlich Winterausrüstung und entsprechende Kleidung für -5° C, um ein schneebedecktes Gebirge zu überqueren, Lauf- und Mountainbikingequipment, und natürlich noch das ganze Kamerazeugs.

4. Guter Grund: Du kommst schnell und weit genug voran

Zu Fuß ist man einfach langsamer unterwegs und kann nicht so viele Tageskilometer machen, wie es mit einem Fahrrad nun mal der Fall ist. Völlig unabhängig davon, ob man nun auf der Straße, in der Natur oder beispielsweise in einer Stadt unterwegs ist. Einerseits mag das Vorankommen im Slow Motion Modus in bestimmten Situationen ja sehr willkommen sein – möchte man aber innerhalb einer überschaubaren Zeit aufgrund nur begrenzter Urlaubstage sehr viel von einem Land sehen und erleben, wird es ein wenig zum Problem: denn dann geht es unweigerlich wieder zurück zum Grund Nummer 1 und der partiellen Einschränkung seiner persönlichen Unabhängigkeit. Das Radreisen bietet also eine einmalige Kombination von persönlicher Freiheit, einem intensiven Erleben der Landschaften sowie der Natur und trotz alledem auch die Möglichkeit, in kurzer Zeit weite Strecken unabhängig von anderen zurücklegen zu können.

Ich für meinen Teil schätze es sehr, dass ich die Möglichkeit habe auch mal 120 Kilometer an einem Tag zurücklegen zu können – wenn ich das möchte. Dafür lasse ich dann am nächsten Tag auch mal das Rad stehen und wandere zu Fuß durch die Natur oder auf den nächsten Berggipfel – dann natürlich ohne mein ganzes Gepäck hoch und wieder runter zu tragen. Aber auch in Städten habe ich schon oft die positive Erfahrung gemacht, wie gut es doch ist, wenn man ein Fahrrad hat oder auch, dass ich sehr oft gerne ein Rad gehabt hätte.

Ein einem Tag einmal quer durch Galiläa (Israel) von West nach Ost und an einem anderen Tag einmal längs durch Judäa (Palästina) von Nord nach Süd.

5. Guter Grund: Du kannst sehr viel Geld sparen

Ich denke es ist offensichtlich, dass wenn man mit einem Fahrrad reist, man bei einer Rundreise keine Ausgaben für Benzin, Mautgebühren, diverse Zug- oder Bustickets oder sonstige Fahrtkosten hat. Aufgrund der Tatsache, dass man mit einem Rad je nach Topografie auch gute 100-150 Tageskilometer machen kann, man viel näher an allem dran und sehr flexibel ist, finde ich, ist das Radreisen eine hervorragende Möglichkeit preiswert durch ein Land zu reisen.

Als ich zum Beispiel zehn Tage von Budapest (Ungarn) nach Bratislava (Slowakei) und anschließend von Pardubice (Tschechien) bis vor meine Haustür (Deutschland) geradelt bin, hatte ich am Ende für zehn Tage Urlaub gerade mal 70 Euro für Fahrt- und Übernachtungskosten ausgegeben. Während meiner Reise habe ich immer wild gezeltet und nur zwei mal in einer Billigpension übernachtet. Insgesamt bin ich durch fünf Länder gereist (inkl. Österreich), habe von jedem Land jede Menge abseits der üblichen Wege gesehen, viele Dörfer, Wälder, Wiesen, Felder – und ein paar tolle Nachtlager-Locations bekam ich auch noch geschenkt. Reisen muss also nicht zwangsläufig immer viel Geld kosten.

Mit dem Fahrrad von Ungarn bis nach Deutschland zu radeln, bedeutet, preiswert zu reisen, mit entspannten Fahrten durch stille Wälder und entlang der beiden strahlend blauen Flüsse Donau und Elbe.

6. Guter Grund: Du gleitest in einen meditativen Zustand hinein

Als ich im Frühling 2014 für zehnTage auf den Donau- und Elberadwegen durch Ungarn, die Slowakei und Tschechien unterwegs war, erlebte ich zum ersten Mal die “meditative” Wirkung von tagelangem Dauerradfahren. Im Herbst desselben Jahres war ich dann noch einmal für zehn Tage in Slowenien Radfahren – und hier konnte ich diesen Effekt der geistig-meditativen Erholung noch einmal um einiges intensiver erfahren als beim ersten Mal.

Wer auch schon einmal mehrere Tage am Stück, von morgens bis abends, eine körperlich doch sehr monotone, aber nicht allzu anstrengende Tätigkeit ausübte, bei der das Gehirn eigentlich keine weitere Aufgabe hat, als primär Landschaft und Natur wahrzunehmen, und sich auch mit niemandem großartig zu unterhalten, der kennt bestimmt diesen eigentümlichen “Trance-Zustand”, in den man langsam hinübergleitet. Man tut tagelang von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nichts anderes als mit den Beinen zu kurbeln, mit den Augen zu schauen und ist in einer Intensität bei sich selbst, wie ich sie woanders nur selten erlebe. Etwas einmalig Tolles, was sich auch nur sehr schwer beschreiben und nachfühlen lässt, wenn man diesen Zustand noch nicht selbst erlebt hat. Vielleicht ist es das Äquivalent zum sogenannten Runners-High: die “Bike-Traveller-Trance”. Tatsächlich gibt es beim Biken ein Runners-High-Pendant – nämlich der sogenannte Biker-Flow. Dieser bezieht sich jedoch eher auf das Gefühl beim Mountainbiken, wenn man so richtig “im Flow” – also mit sich, seinem Bike und dem Gelände im Fluss ist.

Die Bike-Traveller-Trance ist nochmal ein bisschen anders. Ich würde es eher mit einem Zustand der Meditation vergleichen, ein sehr nach innen gerichteter Blick, eine Konzentration auf sich selbst, eine geistige Ruhe und Ausgeglichenheit, während der Körper von ganz alleine seine monotone Arbeit verrichtet und dich Kilometer um Kilometer durch die Welt trägt.

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Radreisen kann eine tiefe mentale Entspannung erzeugen.

7. Guter Grund: Du hast deinen Sportgegenstand gleich mit dabei

Wer Spaß am Radfahren hat und gerne in den Bergen und der Natur unterwegs ist, dem wird vermutlich auch das Mountainbiken bzw. Off-Road-Radfahren viel Freude bereiten. Das Tolle am Radreisen ist, dass man seinen eigenen Sportgegenstand gleich mit dabei hat. So lassen sich dann während einer Rundreise auch schnell und einfach ein paar Tages- oder Mehrtages-Biketouren in die Bergwelt einbauen – ohne Geld für Rad-Leihgebühren vor Ort ausgeben zu müssen. Man entledigt sich einfach seines Gepäcks und brettert mal ohne Sack und Pack ein bisschen durch die Kante. Andererseits lässt sich auch ein geplantes Mountainbike-Abenteuer mit Radreisen verbinden und damit ebenfalls ein wenig Geld sparen.

Wer stattdessen eher auf Rennrad-Feeling steht, sollte anstelle eines grobstolligen Reisefahrrads, dass für nette Berg-Trails geeignet ist, dann einfach auf die leichtere Variante mit schmaler Bereifung und ggf. Rennlenker setzen. Hierbei aber immer an eine reisetaugliche Materialrobustheit denken, die auch das Gesamtgewicht des Reisegepäcks unbeschadet trägt. Mit einem Rennrad anstelle eines Mountainbikes als favorisiertes Reiserad kann man dann ebenfalls geniale Tages- oder Mehrtagestouren ohne den unnötigen Ballast über unzählige wunderschöne Passtraßen der Alpen erleben – oder natürlich auch andernorts.

Unterwegs auf dem Mehrtages-Trail “Stoneman Dolomiti” (Österreich/Italien) oder mal ein Tagesausflug auf den Gipfel des Berg Sodom (Israel) während meiner diversen Radreisen.

8. Guter Grund: Du brauchst nicht viel Ausrüstung oder technisches Know-how

Um zu einem ersten Radabenteuer aufzubrechen, braucht es gar nicht so viel. An sich genügt erst mal ein langes Wochenende, ein einigermaßen funktionstüchtiges Fahrrad mit Gepäckträger und bspw. einem Korb o.ä., ein Schlafsack mit Isomatte, dein persönlicher Krimskrams, Essen und Trinken sowie eine gute Portion Vorfreude, Neugierde, ausreichend Lust an der Sache und wenn möglich noch gutes Wetter.

Mit sehr wenig Equipment und noch weniger Ahnung bin ich vor gut fünf Jahren zu meinem ersten Rad-Wochenende relativ spontan aufgebrochen. Ich habe zuvor keine ellenlange Anschaffungsliste mit speziellem Equipment abgearbeitet, bevor ich überhaupt erst starten konnte. Und man muss auch kein Technik-Freak sein, um erfolgreich mit dem Rad unterwegs sein zu können. Wenn man nicht gerade unglaublich viel Pech hat, hat man in der Regel eher selten technische Probleme. Zumindest habe ich bisher diese Erfahrung gemacht.

Im Verlauf der letzten Jahre wurden bei mir dann aus drei Tagen Radfahren zehn, und dann mehrere Wochen. Die Anreisen mit dem Zug wurden länger und irgendwann durfte mein Rad dann auch mal mit mir in den Flieger. Im Lauf der Zeit hat sich mein Equipment ein bisschen “professionalisiert” – d.h. ich habe mittlerweile zwei absolut wasserdichte Packtaschen sowie eine Lenkertasche (wirklich sehr praktisch!), ich nehme immer ein Mini-Werkzeug, Luftpumpe, Flickzeug und einen Ersatzschlauch mit (und mehr braucht es i.d.R. auch gar nicht). Ein bisschen mehr Erfahrung als früher habe ich auch. Aber technisch versiert bin ich in Sachen Fahrradreparatur trotzdem noch immer nicht. Zumindest reicht es aber soweit aus, dass ich einen platten Reifen selbst wieder fit bekomme und behelfsmäßig auch mal einen Satz Bremsbacken wechseln kann (naja, das dann mehr oder weniger erfolgreich 😉 ). Wesentlich größere Probleme hatte ich dann bisher auch noch keine. Und falls doch, dann gibt es auf der ganzen Welt zum Glück immer überall genug Menschen, die einem sehr, sehr gerne helfen.

Eines meiner ersten Rad-Wochenenden ohne irgendwelche spezielle Ausrüstung und mein erster und bisher auch einzigster (!) Platten in 5 Jahren Radreisen.

9. Guter Grund: Du verbesserst deine Gesundheit, deine Fitness und deine Figur

Dass viel Bewegung an der frischen Luft gesund ist, weiß ja jeder. Der Vorteil, den Radfahren zusätzlich bietet ist, dass diese Form der Fortbewegung auch als gelenkschonend durchgeht, die Muskulatur sowie das gesamte Herz-Kreislauf-System gestärkt wird, aber im Vergleich zu bspw. Rucksack-Reisen, den Rücken stark entlastet. Nach meiner ersten 10-Tages-Radreise auf flacher Strecke spürte ich Muskeln, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie überhaupt habe. 😉

Aber nicht nur die Gesundheit und körperliche Fitness im Allgemeinen profitieren von tagelangem Dauerradfahren. Auch für die Figur kann Radreisen so einiges Gutes tun. Einerseits formt Radfahren den Körper sehr gut, andererseits kann Radreisen aber auch dabei helfen ein paar überflüssige Pfunde zu verlieren. Dahinter steht eine ganz simple Rechenaufgabe: Wenn man bspw. um 7 Uhr morgens losfährt, bis 22 Uhr abends in die Pedale tritt, abzüglich einiger Pausen, sitzt man durchaus mal locker 10 bis 12 Stunden bei gemütlichem Tempo im Sattel. Rechnet man mit diesen Eckdaten mal seinen persönlichen Kalorienverbrauch aus, kann man je nach Geländebeschaffenheit bei 4.000 und mehr verbrauchten Kilokalorien landen. Die muss man erst mal essen können, d.h. in der Regel verbraucht man während einer Radreise jeden Tag mehr Kalorien als man über die Nahrung zu sich nimmt. Man nimmt also tendenziell ab.

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Bewegung an der frischen Luft, Draußen und in der Natur ist immer gut für die Gesundheit.

10. Guter Grund: Du kannst es!

Dieser zehnte und letzte Grund liegt mir persönlich am meisten am Herzen. Denn viel zu oft, lassen wir uns von unseren eigenen Grenzen viel zu sehr einschränken. Dabei können wir oft viel mehr als wir glauben. Und wir sollten uns auch viel öfter mehr zutrauen, als wir glauben zu können. Diese Lektion haben mich nicht nur meine eigenen Radreisen und die damit verbundenen Erlebnisse gelehrt, sondern auch die vielen Beispiele von anderen Menschen, die zeigen, dass so vieles möglich ist, was auf den ersten, zweiten oder selbst den zehnten Blick unmöglich erscheint.

Radreisen kann wirklich jeder! Von jung bis alt, von arm bis reich. Da gibt es Rentner, die ihre Lebenszeit nach der Arbeit damit verbringen, mit dem Fahrrad die Welt zu erkunden. Es gibt Schüler, Studenten, Absolventen, Berufstätige, Aussteiger, Urlaubmacher, Open-End-Radler, Paare, Singles, Freunde, allein Reisende, zu zweit Reisende, in Gruppen Reisende. Und alle sind sie glücklich mit dem Fahrrad durch die Welt unterwegs. Dem Radreisen scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein – oder zumindest scheint sich niemand davon abhalten oder einschränken zu lassen.

Zwei Beispiele von Menschen, die sich nicht durch die Restriktionen ihrer eigenen zu eng gesetzten Grenzen oder Aussagen wie “Das ist doch nicht möglich” vom Radreisen abhalten lassen, finde ich ganz besonders toll und möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Da sind zum einen Oliver Schmidt und Elena Vladimirovna Poddubnaya (http://terracirca.de/), die mit ihren beiden Söhnen Jakob (geboren 2010) und Arthur (geboren 2012) seit 2014 den pazifischen Feuerring auf ihren Fahrrädern umrunden. Dass Radreisen mit zwei Kleinkindern im Alter von 2 und 4 Jahren möglich ist, beweist dieses Paar auf bemerkswerte und bewunderswerte Art und Weise. Hut ab!

Der zweite Mensch, den ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte, ist Andreas Pröve (http://www.proeve.com/). Ein seit 1981 durch einen Verkehrsunfall querschnittsgelähmter Mann, der sich von dieser “Einschränkung” aber in keinster Weise in seinen Abenteuern einschränken – geschweige denn vom Rollstuhl-Radreisen abhalten lässt. Wie genau Andreas Pröve es geschafft hat, allein in seinem Rollstuhl mit Vorbau für Packtaschen und Ausrüstung, in “Handarbeit” über 4.000 Kilometer am Mekong entlang von Vietnam nach Tibet zu rollen … einfach unglaublich! Aber scheinbar: nicht unmöglich.

Man möge es mir daher verzeihen, wenn ich stets davon ausgehe, dass jeder “normale Mensch” ebenfalls Radreisen oder auch jede andere Form des Reisen bewältigen kann und ich ein “Ich schaff das nicht” eher selten akzeptiere. 😉

Jeder bewegt sich und handelt immer innerhalb der Grenzen, die er sich selbst setzt. Die wahre Grenze des Möglichen wie auch des Unmöglichen, liegt aber immer viel weiter von uns entfernt, als wir glauben.

Du kannst es!

Andreas Pröve reiste mehr als 4.000 Kilometer allein in seinem Rollstuhl über die staubigen Straßen Asiens. Und Oliver Schmidt reist seit mehr als drei Jahren zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen auf dem Fahrrad Rund um den pazifischen Feuerring.

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